Schulsport – das ist zu beachten!

Nur die Sportlehrerin oder der Sportlehrer, die oder der sich mit den Besonderheiten des Sportunterrichts auskennt, kann einen sicheren und für die Schülerinnen und Schüler attraktiven Sportunterricht anbieten.

Vision Zero

Die Vision Zero ist die Vision einer Welt ohne Schulunfälle, Wegeunfälle bzw. Arbeitsunfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen. Höchste Priorität hat dabei die Vermeidung tödlicher und schwerer Unfälle – auch im Sportunterricht. Die Vision Zero hat eine umfassende Präventionskultur zum Ziel.

Bereits vor einigen Jahren hat die gesetzliche Unfallversicherung in Deutschland in ihrer Präventionsstrategie das Ziel verankert, Arbeits- und weitere Lebenswelten so zu gestalten, dass niemand mehr getötet oder so schwer verletzt wird oder beruflich bedingt erkrankt, dass ein Schaden entsteht. Damit die Vision Zero eines Tages Wirklichkeit wird, muss die Präventionsarbeit immer wieder neu auf dieses Ziel ausgerichtet werden. Dieser breite und vernetzte Ansatz verlangt die Mitwirkung aller gesellschaftlichen Akteure. Grundmaxime sind:

  • Leben ist nicht verhandelbar!
  • Menschen machen Fehler!
  • Toleranzgrenzen sind die körperlichen Belastungsgrenzen des Menschen!
  • Menschen haben ein Grundrecht auf eine sichere Arbeitsumgebung!

Wenn Leben nicht verhandelbar ist und Menschen Fehler machen, dann ist es ethisch nicht akzeptabel, für Fehler mit dem Tod oder schweren Verletzungen zu bezahlen.

Vision Zero

Die Vision von Null schweren bzw. tödlichen Unfällen mag schwierig erscheinen, aber es ist das einzige ethisch richtige Ziel, auf das wir in der Zukunft hinarbeiten müssen!

Sicherheit und Gesundheit im Schulsport

Sicherheit und Gesundheit sind wichtige Werte, die in jeder Schule und der Gesellschaft anerkannt und angestrebt werden sollen.

Aus der Unfallstatistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung geht hervor, dass sich mehr als ein Drittel aller Schulunfälle im Sportunterricht ereignen. Jeder zweite Schulsportunfall passiert bei den Ballspielen. Besonders häufig verletzen sich die Schülerinnen und Schüler beim Fußball und beim Basketball. Nach den Ballspielen folgen Geräteturnen und Leichtathletik.

Wir laden Lehrkräfte mit diesem Theorieteil und den im Medium beinhalteten Praxisbeispielen dazu ein, ihre Sicherheits- und Gesundheitskompetenz zu erweitern. Schülerinnen und Schüler müssen lernen, mit Risiken kompetent umzugehen. Dazu gehört, dass sie in ihrer Schullaufbahn sicherheitsverträgliche Verhaltensweisen aufbauen. Lehrkräfte können dabei unterstützen, indem sie den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu einer Auseinandersetzung mit realen Risiken geben, dabei das Risiko dosieren und kalkulierbar machen. Risikosituationen sind so zu gestalten, dass die Schülerinnen und Schüler bei den Aufgaben realistische Bewältigungschancen haben und ein Scheitern keine gesundheitlichen Schädigungen nach sich zieht.

Schulsport soll sich aber vor allem auch positiv auf die gesunde Lebensführung der Schülerinnen und Schüler auswirken. Eine pädagogische Aufgabe des Schulsports ist es, die Bewegungssicherheit der Schülerinnen und Schüler und deren Sicherheits- und Gesundheitskompetenzen zu fördern.

Sportunterricht ist bei vielen Schülerinnen und Schülern der Primarstufe und auch der Orientierungsstufe der weiterführenden Schulen das beliebteste Schulfach. Bewegung, Spiel und Sport tragen wesentlich zur Prävention von Unfällen bei, weil hier Sicherheitskompetenzen wie z. B. Koordination, Geschicklichkeit und Antizipationsfähigkeit entwickelt werden.

Ziel der Prävention von Schulsportunfällen ist es, sichere Rahmenbedingungen zu schaffen und mit geeigneten didaktisch-methodischen Planungen und ihrer Umsetzung, Unfälle zu vermeiden. Folgende Punkte sind dabei zu berücksichtigen:

  • Unterrichts- und Übungsabläufe sind dem Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler anzupassen.
  • Lehrkräfte müssen Kenntnisse über Unfallgefahren und Risikofaktoren der jeweils angebotenen Sportarten und Bewegungsaufgaben besitzen.
  • Notwendige Hilfestellungen und Sicherheitsmaßnahmen müssen gewährleistet werden.
  • Für die örtlichen Gegebenheiten sind geeignete Spiel- und Übungsabläufe zu planen.
  • Der Aufsichtspflicht ist nachzukommen.
  • Geeignete Sportbekleidung und das Ablegen oder Abkleben von Schmuck ist als Voraussetzung zur Teilnahme am Sportunterricht einzufordern.
  • Vor der Gerätenutzung ist eine Sicht- und ggfs. Funktionsprüfung durchzuführen. Es sind nur Sport- und Spielgeräte zu benutzen, die keine Sicherheitsmängel aufweisen.
  • Erste Hilfe muss gewährleistet sein.

Die Verantwortung für die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler obliegt den Lehr- und Fachkräften, die Aufsicht führen und den Schulsport bzw. Bewegungs- und Sportangebote in der Ganztagesschule gestalten. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, müssen sie über ausreichende Fähigkeiten und Fertigkeiten in den jeweiligen Sportarten und Bewegungsfeldern verfügen. Hierzu gehören u. a. der sachgerechte Auf- und Abbau von Sportgeräten (Link in den Bereich in schulsportideen.de) sowie die Beachtung der Grundsätze zur Aufsichtsführung. Bei einem Unfall sollte es selbstverständlich sein, dass sie Sofortmaßnahmen einleiten und Erste Hilfe leisten können.

Es empfiehlt sich, im Rahmen der Unterrichtsplanung eine pädagogische Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Zu beachten sind auch die landesspezifischen Vorgaben der zuständigen Behörden und Ministerien.

Sichere Schule

Wertvolle Informationen rund um den Schulsport finden Sie hier:

MOP – Unfallursachen

Um einen Überblick über Gefahren im Sportunterricht zu bekommen, lohnt es sich, die Unfallursachen im Schulsport näher zu betrachten. Diese verteilen sich vor allem auf drei Bereiche: das Material, die Organisation und die handelnden Personen. Die nachfolgenden Abbildungen zeigen einige beispielhafte Unfallursachen aus diesen Bereichen.

Die Unfallschwerpunkte liegen allerdings bei der Organisation und den handelnden Personen.

 

MIO – Organisation von heterogenen Lerngruppen

Mit dem Wissen, dass Unfallgefahren vor allem in den Bereichen Material, Organisation und bei den handelnden Personen liegen, gilt es, einen sicheren, abwechslungsreichen und attraktiven Sportunterricht zu planen, zu organisieren und durchzuführen. Für die Planung und Durchführung eines sicheren Sportunterrichts mit heterogenen Lerngruppen empfiehlt sich das MIO-Modell (s. Abbildung oben und den PDF-Download unten).

Modifikation

Der Bereich „Modifikation“ bietet eine Vielzahl an Optionen, wie man bei der Planung und bei der Durchführung von Sportunterricht Inhalte, Aufgaben und Organisationsformen – abgestimmt auf die Lerngruppe – anbieten und vor allem modifizieren kann. Es ist ein „Werkzeugkoffer“, der hilft, mit Heterogenität umzugehen, der einen Beitrag zur Sicherheit leistet und besonders viel Potenzial für einen abwechslungsreichen Sportunterricht bietet. Mit diesen Modifikationen kann man innerhalb der Sportstunde auf Situationen kurzfristig reagieren.

Individuelle Aufgabenanpassung

Mit „individueller Aufgabenanpassung“ ist das Erstellen bzw. Formulieren von individuellen Aufgaben für Lerngruppen oder Einzelpersonen gemeint. Die konkreten Aufträge werden im Vorfeld der Stunde in Abhängigkeit von den Fähigkeiten der Lerngruppe geplant. Dabei sollten sich Lehrkräfte die Frage stellen: „Welche Schülerinnen und Schüler mit all ihren unterschiedlichen Leistungsvoraussetzungen befinden sich in meiner Klasse und welche Besonderheiten muss ich bei der Planung und Durchführung der Stunde berücksichtigen?“.

Bei der individuellen Aufgabenanpassung soll jede Schülerin, jeder Schüler, jede Arbeitsgruppe gleichzeitig an gleichen Thema arbeiten, jedoch mit angepassten Schwierigkeitsgraden. So kann die Lehrkraft beispielsweise festlegen, dass ein Teil der Klasse die Hocke am Mattenberg üben kann, der andere Teil der Klasse bereits am 4-teiligen Kasten die Hocke übt.

Sollte sich im Unterricht eine neue Problemstellung ergeben, ist es jederzeit möglich mit Hilfe von „Modifikationen“ und den „individuellen Aufgabenanpassungen“ situationsgerecht zu reagieren.

Offene Aufgaben

Die „offenen Aufgaben“ sind von besonderem Wert, denn sie helfen, Lehrkräften sich in kürzester Zeit einen Überblick zu verschaffen, was die Schülerinnen und Schüler bereits können. Eine weitere Stärke der offenen Aufgaben besteht darin, dass sich jede Schülerin und jeder Schüler bei den Klassenkammeraden Ideen abschauen kann, was sich dann wiederum positiv auf die eigene motorische Entwicklung auswirken kann.

Wenn man offene Aufgaben stellt, ist es wichtig, dass sie verschiedene Bewältigungsmöglichkeiten zulassen. Den Schwierigkeitsgrad der Aufgabe bestimmen die Schülerinnen und Schüler dabei selbst. Offene Aufgaben sollte man nicht stellen, wenn die Schülerinnen und Schüler zur Selbstüberschätzung neigen und von der Aufgabe (z. B. durch komplizierten Geräteaufbau) ein erhöhtes Gefahrenpotenzial ausgeht.

widis – Wege in den inklusiven Schulsport

Mit der Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen stehen Lehrkräfte schon jetzt und zunehmend auch in Zukunft vor praktischen Herausforderungen. In einem inklusiven Sportunterricht sind differenzierte und individualisierte Angebote erforderlich. Eine Handlungshilfe für Lehrkräfte zur Planung, Gestaltung und Durchführung eines inklusiven Sportunterrichts bietet das rheinland-pfälzische Modell widis. Entwickelt wurde es für eine gleichnamige modulare Fortbildungsreihe des Ministeriums für Bildung Rheinland-Pfalz, der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz, des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz und der Unfallkasse Rheinland-Pfalz. Es beinhaltet Aspekte des MIO-Modells und erweitert den Fächer der Differenzierung um wichtige inklusive Gedanken.

Lehrkraft als wichtiger Akteur im Schulsport

Neben der sicheren Planung und Durchführung des Sportunterrichts kommt vor allem den Persönlichkeitseigenschaften der Lehrkraft eine wichtige Bedeutung zu. Eine Lehrerpersönlichkeit ist dann positiv, wenn sie ein hohes Maß an Sach- und Sozialkompetenz ausstrahlt und über ein großes Repertoire an Fähigkeiten und Kenntnissen verfügt. Diese Authentizität wirkt sich motivierend auf alle Schülerinnen und Schüler aus und fördert sowohl den gesamten Lernprozess als auch die Freude am sportlichen Handeln. Die Schlagworte „Führung“ und „Kommunikation“ spielen eine wesentliche Rolle. Die Lehrkraft sollte ihre Lerngruppen zu jeder Zeit ernst nehmen und ein positives, von Freude und Humor geprägtes Lernklima erreichen. Zu einer guten Führung im Sportunterricht gehört es auch, sich seiner Vorbildfunktion bewusst zu sein. Dies fängt u.a. mit dem Tragen von Sportkleidung und Sportschuhen oder dem Ablegen von Schmuck an.

Das Ziel einer Lehrkraft sollte es sein, den Schülerinnen und Schülern Freude daran zu vermitteln, lebenslang Sport zu betreiben bzw. sich zu bewegen. Die nachfolgenden fünf Themenfelder sind für die Qualität des Sportunterrichts und der Lehrkraft von größter Bedeutung:


Führung

Positive Lehrpersönlichkeit – Haltung und Einstellung
Klare Strukturierung des Lehr- und Lernprozesses
Sachgerechter Organisationsrahmen
Stimmigkeit der Ziel-, Inhalts- und Methodenentscheidungen
Methodenvielfalt
Individuelles Fördern und Fordern
Regelmäßige Anwendung von Feedbackrunden
Förderung der Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit
Intensive Bewegungszeit mit einem ausgewogenem Theorie-Praxis-Bezug
Klare Leistungserwartungen und -kontrollen formulieren, definieren von Kriterien.

Kommunikation

Klare Ansagen mit einer zielführenden Kommunikation
Positive Ansprache, Sachverhalte positiv verstärken, mit dem Ziel die Motivation der Schülerinnen und Schüler zu erhöhen.
Teilerfolge gebührend honorieren und loben.
Kommunikationsverhalten unter den Schülern fördern.
Schüler und Schülerinnen in Aufgabenstellungen einbinden.
Prinzip: Regeln nur so viel wie unbedingt notwendig!
Wen Lob ich, wann Lob ich, was thematisiere ich und greife ich auf?
Als Lehrkraft aktiv bei der Stunde dabei sein, Emotionen der Lerngruppe wahrnehmen und thematisieren.
Mit Blicken, Mimik und Gestik (nonverbale Kommunikation), Sprache, Ritualen arbeiten.
Gesprächsregeln, Klassenregeln, Begrüßungsritual, Verabschiedungsritual und Wochenvorsätze festlegen.
Ruhezeichen einsetzen, Musik als Kommunikations- und Steuerungsmittel nutzen.

Soziales Klima

Niemand wird ausgelacht.
Jede/r kann mit jede/r/m ein Team bilden.
Verschiedene Methoden zur Gruppeneinteilung verwenden.
Soziales Verhalten besonders positiv hervorheben.
Helferprinzip einführen.
Unterschiedliche Sozialformen einbauen (Kooperation und Teamarbeit stärken).
Feedback-Kultur einführen.
Partizipation der Schülerinnen und Schüler
„Stark hilft weniger stark, gebt euch Tipps und findet gemeinsam Lösungen."
„Es in Ordnung, dass es Leistungsstarke und weniger Leistungsstarke gibt."
Lob aussprechen, verschiedene Kinder loben, auch die „herausfordernden Schülerinnen und Schüler".
Klassenklima von Beginn an stärken, speziell im und durch Sportunterricht.
Wertestunde durchführen; um welche Werte geht es speziell im Sport.

Beteiligung

Schülerinnen und Schüler immer wieder mit einbinden.
Schülerinnen und Schüler selbst Ideen entwickeln lassen.
Schülerinnen und Schüler erstellen Fotos und Videos von Bewegungsaufgaben.
Spielregeln durch Schülerinnen und Schüler entwickeln lassen.
Schülerinnen und Schüler Material mitbringen lassen.
Mit Schülerinnen und Schüler Kommunikationsregeln erarbeiten, bspw. nehmen sich gegenseitig dran.
Schülerinnen und Schüler lernen den richtigen Geräteaufbau und organisieren diesen selbst.
Schülerinnen und Schüler motivieren, Hinweise an die Lehrkraft zu geben, sollten sie Gefahren sehen.

Fehlerkultur

Kein Kind wird bloßgestellt!
Vorführsituationen vermeiden.
Direkten Vergleich vermeiden, das „eigene Potential" bestmöglich ausschöpfen.
Lehrkraft muss transparent ansprechen, welches Verhalten ihr nicht gefallen hat.
Schülerinnen und Schüler Regeln zum Fehlverhalten festlegen lassen.
Bildkarten einsetzen, die Ausführungen aufzeigen und Lerngruppe damit auseinandersetzen lassen, Abweichung zum Leitbild selbst erkennen lassen.
Klima schaffen, in dem man Unsicherheit eingestehen darf.
Fehlverhalten in anderen Bereichen, durch Fair Play im Sport thematisieren.
Korrekturen nach wertschätzenden Kommunikationsregeln geben – auch von Schülerinnen und Schüler.
Schülerinnen und Schüler müssen Fehler machen dürfen, auch mal Ideen zu lassen, die nicht funktionieren.
Wenn Fehler zu Unfällen führen, diese thematisieren und gemeinsam eine Sicherheitskultur entwickeln.

Fazit

  1. Die Lehrkraft hat Verantwortung für die Organisation des Sportunterrichts und einen großen Einfluss auf die handelnden Personen.
  2. Durch eine klare Führung und gute Kommunikation kann die Lehrkraft sehr viel steuern.
  3. Gute Führung und Kommunikation gelingt, wenn die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler beteiligt, ein soziales Klima schafft und eine wertschätzende Fehlerkultur entwickelt.
  4. All diese Punkte haben einen wichtigen Einfluss auf eine gute Sicherheitskultur und sind ein Beitrag zur Vision Zero!